CASTELL

Die neue Fränkische Weinkönigin kommt aus Castell

Die 64. Fränkische Weinkönigin heißt Carolin Meyer.   Foto: Silvia Gralla

Kambodscha, Malaysia und Franken haben eine Gemeinsamkeit: Ein gewählter Monarch hat dort das höchste Amt inne. Carolin Meyer sammelte am Freitagnachmittag in der Kulturhalle in Grafenrheinfeld (Lkr. Schweinfurt) die meisten Stimmen. Die 23-Jährige aus Castell (Lkr. Kitzingen) ist die 64. Fränkische Weinkönigin und setzte sich gegen zwei Bewerberinnen durch. Im vergangenen Jahr gab es sechs Anwärterinnen für das Amt der obersten Weinbotschafterin in der Region.

Damals holte Klara Zehnder die Krone. In China, Skandinavien und Frankreich hat sie für Franken und den Wein geworben. Bei den Reisen habe sich der Begriff "Heimat" für die 23-Jährige aus Randersacker (Lkr. Würzburg) mit Leben gefüllt. „Ich weiß jetzt, wo meine Wurzeln liegen“, sagte sie. Rund 380 Termine im In- und Ausland hat die scheidende Weinkönigin nun hinter sich. Ihre letzte Amtshandlung bestand darin, die goldene Krone auf einem Kissen abzulegen.

Für drei Stunden war das Frankenland ohne handlungsfähige Regierung. Unruhen, Aufstände, Revolten? Nichts dergleichen. Eine Jury aus rund 150 Personen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Medien und der Weinbranche mussten eine Entscheidung treffen. Wie viel Prozent der Stimmen die Siegerin auf sich vereinen konnte, ist traditionell streng geheim – wie bei der Papstwahl. Nicht weißer Rauch, sondern Weinbaupräsident Artur Steinmann verkündete am frühen Abend das Ergebnis: Meyer setzte sich gehen Elisabeth Goger aus Sand am Main (Lkr. Haßberge) und Eva-Maria Keller aus Eußenheim (Lkr. Main-Spessart) durch.

Entscheidung im ersten Wahlgang

Eine Stichwahl war nicht nötig. Das Ergebnis muss daher relativ eindeutig ausgefallen sein, da die Königin die absolute Mehrheit ihres Volkes braucht. Meyers erste Worte an die Untertanen: "Ich kann es nicht fassen und bin unglaublich stolz, mich für die fränkischen Winzerinnen und Winzer einsetzen zu dürfen." Meyer ist die 33. Weinkönigin, die der Landkreis Kitzingen hervorbringt. Sie war die erste Weinprinzessin, die Castell je hatte. Auf ihre Anregung hin wurde das Amt im Jahr 2014 dort ins Leben gerufen.

Wichtiger denn je ist es für die angehende Monarchin, auf Selfies gut auszusehen. Schon bald wird die Siegerin von Untertanen um Erinnerungsfotos gebeten werden. In der Vorstellungsrunde brachten die Bewerberinnen jeweils ein Selfie mit, über das sie mit Moderator Axel Robert Müller und der ehemaligen Deutsche Weinkönigin Nicole Then-Plannasch plauderten.

Meyer hat eine einschlägige Ausbildung

Bei Fragen rund um den Weinbau konnten die Kandidatinnen beweisen, dass es als Weinbotschafterin nicht nur auf ein fototaugliches Lächeln, sondern auch auf Fachwissen ankommt. Was kann der fränkische Winzer zur Artenvielfalt beitragen? Und was zeichnet einen guten Müller-Thurgau aus? Alle Bewerberinnen um die Thronfolge stammen aus Winzerfamilien. Die Fachfragen brachten keine der Kandidatinnen in Bedrängnis. Doch Meyer konnte hier einen Trumpf ausspielen: Sie hat als einzige eine Ausbildung in der Weinbranche. Seit August des vergangenen Jahres ist sie staatliche geprüfte Technikerin für Weinbau und Oenologie. In den Pausen zwischen den Vorstellungsrunden hörte sie das Lied "This is me" aus dem Film "Greatest Showman". Der Film gefalle ihr, weil er zeigt, was Frauen alles schaffen können, wenn sie sich anstrengen. 

Das gilt auch für die Wahl in Grafenrheinfeld, wenn auch mit gewissen Regeln: Weinköniginnen müssen volljährig und unverheiratet sein. Sie sollte aus einer Winzerfamilie abstammen oder eine einschlägige Ausbildung gemacht haben. "Als Voraussetzung wird auch eine einjährige Amtszeit als örtliche Weinprinzessin akzeptiert", heißt es in den Richtlinien des Fränkischen Weinbauverbands. Auch einen "guten Leumund", also einen vorbildlichen Ruf, müssen die Bewerberinnen in ihrer Heimatgemeinde haben.

Für Meyers guten Ruf bürgt Jochen Kramer, der Bürgermeister von Castell. "Wenn ich das mal so salopp sagen darf: Caro ist einfach ein nettes Mädchen". Sie habe sich im Gegensatz zu ihren Mitstreiterinnen für ganz Franken ausgesprochen und weniger für ihre Gemeinde. "Ich habe sie als sehr bodenständig und heimatverbunden kennengelernt", beschrieb Kramer die neue Weinkönigin.

Die Gastgeber als prominente Wahlhelfer

Die prominenten Wahlhelfer waren die Gastgeber Sabine Lutz, Bürgermeisterin von Grafenrheinfeld, und Florian Töpper, der Landrat des Landkreises Schweinfurt. Töpper freute sich, dass dieses Ereignis in seiner Region stattfindet. "Da heute keine Bewerberin aus Schweinfurt kommt, kann ich unvoreingenommen wählen", sagt er.

Entspannt kann auch der Bürgermeister von Randersacker die Wahl verfolgen. Er geht davon aus, dass Zehnders Amtszeit auch in den nächsten Jahren den Tourismus stärken wird. "Klara hat uns eindeutig weitergeholfen um den Ort berühmter zu machen", sagt Michael Sedelmeyer.

Bei der Veranstaltung wurde klar: Die Winzer sind längst in der Digitalisierung angekommen. Goger hat zwar keine Ausbildung im Weinbau gemacht, befasste sich aber in ihrem Studium der Wirtschaftsinformatik mit der Vermarktung des gegorenen Traubensafts. In einer Projektarbeit untersuchte sie, ob Kunden für Wein in Onlineshops oder im stationären Handel mehr Geld ausgeben. "Die Antwort in Kurzform: Ja, tun sie", sagte sie.

So wird es für die Frauen nach der Wahl weitergehen

„Ich finde es schade, wie die Wahl ausgegangen ist, aber gönne es Carolin auf jeden Fall“, sagte Keller. Sie studiert Gymnasiallehramt auf Geschichte und Französisch. Obwohl sie nicht gewählt wurde, überlege sie, in den Weinbau zu wechseln.

Wie es für die scheidende Weinkönigin weitergeht, ist noch ungewiss. Zehnder hat sich für ein duales Studium in der Tourismuswirtschaft beworben. "Es sieht gut aus, dass es ab dem Wintersemester klappt", schätzte sie. Die Kontakte, die sie zum Hotel- und Gaststättenverband knüpfen konnte, seien dabei bestimmt nicht hinderlich. Besonders fasziniert war sie von den Eindrücken ihrer Chinareise. "Wer kann schon behaupten, dass er eine Weinprobe im 35. Stockwerk eines Hochhauses in Shanghai moderiert hat", schwärmte sie. Dort habe die Weinbotschafterin viel Aufklärungsarbeit leisten müssen. Zum Beispiel, dass Weine mit Schraubverschluss nicht zwangsläufig minderwertig seien.

Zehnder beherrscht nicht nur den diplomatischen Umgang mit anderen Kulturen, sondern auch sechs Fremdsprachen: Englisch, Französisch, Spanisch, Latein, Norwegisch und Portugiesisch – „wenn Letzteres auch eher nur notdürftig“, gestand sie dieser Redaktion in einem Interview. Über 80 000 Kilometer legte die Weinkönigin im Dienste des Bocksbeutels zurück. Ihr Amt habe ihren Horizont erweitert und sie "von Franken in die große weite Welt gebracht – wenn die große weite Welt auch oft nur München war", scherzte sie. Über 30 Mal war Zehnder im letzten Jahr in der Landeshauptstadt.

Die Eröffnung von Weinfesten, das Lächeln für die Kameras und die Reisen kommen nun auch auf Meyer zu. Ob sie einen gültigen Reisepass hat? „Vor knapp einem Jahr habe ich einen neuen beantragt.“ Die sorgfältige Planung zahlt sich für die Gewinnerin nun aus.