RANDERSACKER

Randersacker stellt wieder die Weinkönigin

Klara Zehnder aus Randersacker
Die neue Fränkische Weinkönigin: Klara Zehnder aus Randersacker (Lkr. Würzburg), umringt von politischer Prominenz.

Erst flossen Tränen. Dann Wein. Dann wieder Tränen. Die letzten, die am Freitagnachmittag im Vogel Convention Center in Würzburg vergossen wurden, gehörten Klara Zehnder. Die 22-Jährige aus Randersacker (Lkr. Würzbu

rg) ist die 63. Fränkische Weinkönigin und setzte sich in einem verhältnismäßig großen Bewerberinnenfeld durch: Insgesamt sechs junge Frauen kämpften in diesem Jahr um das Amt der Weinbotschafterin Nummer eins der Region. 2017 waren es nur halb so viele.

Damals holte Silena Werner die Krone. Über die Wangen der scheidenden Weinkönigin kullerten an diesem Nachmittag die ersten Tränen. Die sogenannte Abkrönung der 21-Jährigen aus Stammheim (Lkr. Schweinfurt) erfolgte kurz nach 14 Uhr. Sichtlich bewegt legte die scheidende Weinkönigin die Krone auf ein glänzendes, mit Quasten besetztes Kissen ab, wo der goldene Kopfschmuck auf ein neues Haupt wartete. Knapp dreieinhalb Stunden lang. Dann verkündete der Präsident des Fränkischen Weinbauverbands Artur Steinmann die Siegerin.

Erinnerungen an Herzblatt

Klara Zehnder setzte sich in einer Stichwahl gegen Magdalena Bauer aus Hüttenheim (Lkr. Kitzingen) durch. Es dürfte eine enge Entscheidung der 100-köpfigen Jury, bestehend aus Personen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Medien und der Weinbranche, gewesen sein – wie eng, das gibt der Weinbauverband traditionell nicht bekannt. Doch große qualitative Unterschiede zwischen den Kandidatinnen waren für den neutralen Beobachter nicht zu erkennen. Zehn Minuten plauderte jede von ihnen mit den Moderatoren der Veranstaltung – der früheren deutschen Weinkönigin Nicole Then und dem BR-Reporter Axel Robert Müller – über sich, Gott und die Welt. Dann musste jede drei Standardfragen rund um den Weinbau beantworten, was keiner Kandidatin Probleme bereitete.

Dazwischen sorgten 49 Weinprinzessinnen aus der ganzen Region bei den Gästen für Weinnachschub. Schließlich hatte jede Kandidatin einen Wein zur Verkostung mitgebracht. Zum Schluss kamen noch einmal alle auf die Bühne und beantworteten je drei Fragen aus dem Publikum. Wie sie einen Pizzeriainhaber davon überzeugen würden, Frankenwein auszuschenken zum Beispiel. Oder wie sie reagieren würden, wenn sie als bayerische Bierkönigin begrüßt werden würden. Ein Fragemarathon, der etwas an die Kuppel-Show „Herzblatt“ erinnerte – nur ohne Rudi Carrell und selbstverständlich ohne Kuppelei.

Kein Auftrag für den Tätowierer

So war es wohl weniger das Wissen um den Wein als andere Faktoren, die über die Vergabe der Krone entschieden. Bühnenpräsenz etwa, oder Schlagfertigkeit oder die beste Anekdote. Hier blieb auch die unterlegene Magdalena Bauer in Erinnerung. Über die 21-Jährige erfuhr man, dass sie sich das Datum ihrer Krönung zur Hüttenheimer Weinprinzessin aufs Handgelenk hatte tätowieren lassen. Ob ihr Tätowierer wieder Arbeit bekommt, wenn sie auch Fränkische Weinkönigin wird, wollte Moderater Müller wissen. „Ich habe ja noch ein Handgelenk frei“, antwortete sie ohne zu überlegen.

Unterhaltungswert hatte aber auch die rothaarige einstige Randersackerer Weinprinzessin im dunkelblauen Kleid. Klara Zehnders Geschichte von ihrer Aufnahme in eine französische Weinbruderschaft sorgte jedenfalls für Lacher. „Das war auf einem Weinfest in unserer Partnergemeinde Vouvray“, erzählte Zehnder. Dort habe sie auf der Bühne ein Weinglas in einem Zug leeren müssen, anschließend sei ihr von der Weinbruderschaft ein Schwur abgenommen worden. „Das war natürlich auf Französisch, da habe ich nicht alles verstanden“, gab die Romanistikstudentin zur Erheiterung des vollbesetzten VCC zu.

Gerührter Bürgermeister, faire Landrätin

So authentisch, wie man Klara Zehnder auf der Bühne erlebte, beschrieb sie auch Randersackers Bürgermeister Michael Sedelmayer. „Ich war genauso aufgeregt wie bei meiner eigenen Wahl“, so Sedelmayer sichtlich gerührt. Klara Zehnder sei „eine bodenständige junge Frau“, die in Randersacker „sehr verwurzelt ist“ und sich „immer im Ort engagiert“ habe. Alle Kandidatinnen bezeichnete Sedelmayer als „coole Socken“, aber natürlich freue er sich, dass die neue Weinkönigin aus Randersacker kommt. Zuletzt kam mit Andrea Schröder 1992 eine Fränkische Weinkönigin aus dem Weinort. Aber: „Klara vertritt jetzt ganz Franken“, so der Bürgermeister.

 

Weniger euphorisch war Kitzingens Landrätin Tamara Bischof. „Ich freue mich für die Siegerin, aber natürlich hätte ich mich gefreut, wenn die Weinkönigin aus unserem Landkreis gekommen wäre“, so Bischof über die unterlegene Hüttenheimerin Magdalena Bauer. „Sie hat ihre Sache großartig gemacht, war sehr gut vorbereitet“, lobte Bischof. „Aber so sind Wahlen nun einmal.“

Eine Randersackerin im Kanzleramt

Auf Klara Zehnder kommen nun rund 400 Termine im In- und Ausland zu. Auf Weinmessen, Weinproben, Festen und Auslandsreisen – immer als Botschafterin des Frankenweins. Und auch ins Kanzleramt wird sie ihr Weg führen. Das hat jedenfalls die neue Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, versprochen. Und zu 99,9 Prozent werde sie auch die Kanzlerin kennenlernen, so die unterfränkische CSU-Politikerin.

Eine aufregende Zeit, die Silena Werner nun hinter sich hat. Die Stammheimerin tauscht schon am Montag Pumps gegen Sneakers, Paillettenkleid gegen Jeans und Krone gegen Kuli. Dann sitzt sie wieder als Groß- und Außenhandelskauffrau am Schreibtisch. Ihr Arbeitgeber hatte sie ein Jahr lang freigestellt. „Die Zeit als Weinkönigin hat sie geprägt und verändert“, sagte sie bei ihrer Verabschiedung. Dabei zeigte sie schon zu Beginn ihrer Amtszeit Reife: Ihre Regentschaft hatte sie unter das Motto „Spenden statt Blumen“ gestellt und gebeten, ihr bei Veranstaltungen keine Gastgeschenke zu überreichen, sondern eine Spende für einen wohltätigen Zweck. Zusammengekommen sind über 11.000 Euro. Diese Woche hat sie der Station Regenbogen in Würzburg den Scheck übergeben.

Artur Steinmann hat eine neue Zahnbürste

Die besten Momente habe sie auf typisch fränkischen Veranstaltungen erlebt – auf Weinfesten, bei Prinzessinnenkrönungen, Eröffnungen von Vinotheken, erzählt Silena Werner. „Am schönsten war es, wenn ich auf ein Weinfest gegangen bin und gespürt habe, wie sich die Leute freuen, dass die Weinkönigin da ist.“ Launig und noch gefasst dankte sie ihrem „Hofstaat und den Untertanen“: „Sie waren die besten Winzerinnen und Winzer, die ich je hatte“, witzelte sie. Und dann schäkerte sie noch mit ihrem „Mundschenk“: Artur Steinmann. Er habe sie immer gefragt, ob er ihr Wasser reichen dürfe. „Ob Sie das konnten, bleibt mein Geheimnis“, so Silena Werner in seine Richtung. Schließlich gab es noch ein Abschiedsgeschenk für den Weinbauverbandspräsidenten, der in einem Interview über das schwierige Weinjahr 2017 gesagt hatte, „wir gehen auf dem Zahnfleisch“. In Anspielung darauf hatte ihm Silena Werner eine Zahnbürste besorgt. Applaus. Gelächter.

Doch als sie abschließend ihrer Familie – insbesondere ihrer Mutter und ihrem Freund – dankt, kommen der scheidenden Weinkönigin die Tränen. Es sollten nicht die letzten des Nachmittags gewesen sein.