WÜRZBURG

Weinfeste in Franken und fränkische Weinlagen

Weinlese beim Weingut Schenk in der Weinlage Bußbrunn am Sonnenstuhl Randersacker. Sieben Weinleser ernten den Silvaner von den 45 Jahre alten Weinstöcken.   Foto: Thomas Obermeier

Auf einem Weinfest in Franken feiern die Menschen miteinander. Sie feiern aber auch die Kunst der Winzer, die Trauben derart zu veredeln, dass sie der Zunge schmeicheln. Je nach Region werden zum Weinfest unterschiedliche Rebsorten angeboten, die sich nicht nur von der Art der Traube unterscheiden. Je nach Anbaugebiet schmecken zum Beispiel Silvaner-Weine durchaus unterschiedlich. Das gilt natürlich auch für alle anderen Rebsorten.

Das hat seinen Grund: Nämlich der Boden, auf dem der Wein angebaut wird. Bevor Sie also eines der Weinfeste in Franken besuchen, verschaffen Sie sich hier einen Überblick über die Bodenbeschaffenheiten der fränkischen Weinlandschaft.

Was Weinliebhaber so faszinierend am Frankenwein finden, ist dessen unglaubliche Geschmacksvielfalt. Die einen begeistern sich für eine bestimmte Rebsorte, die anderen wählen Fruchtiges, wieder andere schwören auf Trockenes. Auch die Trinkumgebung und der Anlass  mögen  einen Unterschied ausmachen: zuhause, Heckenwirtschaft oder Weinstube, zum stillen Alleingenuss, in fröhlicher Runde oder zu einer Feier. Und, selbstverständlich, auf einem Weinfest.

Weinlese beim Weingut Schenk in der Weinlage Bußbrunn am Sonnenstuhl Randersacker. Sieben Weinleser ernten den Silvaner von den 45 Jahre alten Weinstöcken.   Foto: Thomas Obermeier

Geschmack des Frankenweins

Frankenwein kann man einfach trinken oder aber genießen. Wert ist er es allemal. Seine  Geschmacksunterschiede be-ruhen auf einer Vielzahl von Faktoren: Sorte, Klima, Boden, Kulturmethode sowie Kellerwirtschaft.  Bei tiefergehender Betrachtung spielen das kleinräumige Klima und die oft ebenso kleinräumig vorhandene Bodenstruktur eine wichtige Rolle zur Entwicklung eines individuellen Geschmacks.

Ebenso viele Lagen des Frankenweins wie Weinfeste in Franken

Das vielbemühte Wort „Lage“ zur Wuchs- und Standortbestimmung ist im deutschen Weingesetz genauer definiert. Franken besitzt dem nach heute 218 Einzellagen, 24 Großlagen und drei Bereiche. Eine „Einzellage“ ist tatsächlich eine einzige, bestimmte Rebfläche. Solche Einzellagen können zu „Großlagen“ zusammengefasst werden.

Für den gelegentlich verwendeten, französischen Begriff „Terroir“ gibt es laut Deutschem Weininstitut keine eindeutige deutsche Übersetzung; der dahinterstehende Grundgedanke schließt die naturgegebenen Standortfaktoren Mikroklima, Gelände, Geologie und

Boden eines bestimmten Stückes Land sowie die kulturprägende Tätigkeit des Menschen ein. Ein Terroir ist Teil einer Einzellage. Der „Bereich“ beschreibt eine größerräumige Zusammenfassung mehrerer Lagen, aus deren Erträge Weine gleichartiger Geschmacksrichtung hergestellt werden; dieser geographische Bereich kann sich auch auf nahe beieinander liegende Gemeinden beziehen. In Unterfranken unterscheidet man drei Bereiche: Mainviereck, Maindreieck und Steigerwald.

Gäste beim Weinfest am Stein   Foto: Silvia Gralla

Die Weinbergsrolle

Die Regierung von Unterfranken führt für ganz Bayern die „Weinbergsrolle“, symbolisch ein Schriftstück, in dem die offiziellen und alleingültigen Lagenbezeichnungen eingetragen sind. Die nach dem Weinrecht zulässigen Namen richteten sich früher ausschließlich nach der Katasterbezeichnung oder der Ortsüblichkeit. Die Folge dieser individuellen Bezeichnungsmöglichkeiten war eine Vielzahl von unübersichtlichen Lagenamen; in Franken allein über 800 gängige Namen. Das Weingesetz von 1971 hat deshalb eine insoweit einschneidende Bereinigung gebracht, als es die Verwendung von Lagenamen von der hoheitlichen Eintragung in die Weinbergsrolle abhängig machte.

Die Großgliederung des fränkischen Anbaugebietes besteht aus drei Bereichen.

Bereich Mainviereck/Untermain

Am bayerischen Untermain, am westlichen Rand des Mainvierecks, sind die klimatischen und geologischen Bedingungen besonders zum Anbau von Rotwein geeignet. Das fränkische Rotweingebiet liegt zwischen Wertheim und Klingenberg. Seit Jahren werden auf den Buntsandsteinböden sowie den Verwitterungsböden des Urgesteins vor allem Früh- und Spätburgunder von oft hoher Qualität angebaut. Als beste Lagen gelten der Centgrafenberg in Bürgstadt und der Schlossberg in Klingenberg am Main. Die dort produzierten Rotweine können sich mit nationalen und internationalen Burgundern messen. Zu den wichtigsten Weinorten gehören Bürgstadt, Großheubach und Klingenberg.

Weinfest am Pfaffenberg   Foto: Silvia Gralla

Bereich Maindreieck

An den oft steilen Weinbergen am Maindreieck mit ihren Muschelkalkböden werden Silvaner angebaut, die zu den besten der Welt zählen. Bekannt ist vor allem die Lage Würzburger Stein. Deren Wein ist als „Steinwein“ schon seit Jahrhunderten bekannt und beliebt. So gut wie in allen Orten am Maindreieck wird Wein angebaut, vor allem Weißwein, vereinzelt auch Rotweine. Zum Maindreieck gehört auch die Volkacher Mainschleife. Hier findet man die berühmten Lagen Escherndorfer Lump, Volkacher Ratsherr, Nordheimer Vögelein oder den Sommeracher Katzenkopf. Neben den Muschelkalkböden gibt es am Maindreieck auch Lehm- und Lössböden. Zu den wichtigsten Orten gehören Würzburg, Thüngersheim, Randersacker, Sommerhausen, Frickenhausen am Main, Sulzfeld am Main, Sommerach, Escherndorf, Nordheim, Volkach und Hammelburg.

Bereich Steigerwald

Im Steigerwald, speziell im Gebiet der Keuperböden mit ihren feingrusigen Tonplättchen, welche die Sonnenwärme und die Feuchtigkeit gut speichern können, werden mineralstoffreiche Weine (vor allem Silvaner) produziert. Zu den wichtigsten Orten gehören Iphofen mit dem Iphöfer Julius-Echter Berg, Rödelsee mit dem Rödelseer Küchenmeister

und Castell mit dem Casteller Schlossberg. Weitere bekannte Weinbaugemeinden im oder am Steigerwald sind Abtswind mit dem Abtswinder Altenberg, Oberschwarzach mit dem Handthaler Stollberg, Ippesheim mit dem Ippesheimer Herrschaftsberg, Zeil am Main mit dem Ziegelangerer Ölschnabel, Zell am Ebersberg mit dem Zeller Schlossberg und Sand am Main mit dem Sander Himmelsbühl.

Randgebiete, außerhalb Mainfrankens

Im Maintal nordwestlich von Bamberg sowie in der Stadt Bamberg in der Lage Bamberger Alter Graben wird ebenfalls Frankenwein angebaut. Die Rebflächen am Mittellauf der Tauber um Tauberrettersheim (Lkr. Würzburg) und Tauberzell (Lkr. Ansbach) zählen zur Anbauregion Untermain. Weine aus dem baden-württembergischen Tauberfranken werden ebenfalls als Frankenweine im traditionellen Bocksbeutel verkauft; allerdings ist Tauberfranken offiziell Teil des Weinbaugebietes Baden. Nicht zum Anbaugebiet Franken gehören bayerische Rebflächen am Bodensee um Lindau, die dem Anbaugebiet Württemberg angegliedert sind, sowie rudimentäre Restflächen an der Donau um Regensburg.

TIPP: Sie wollen keine Termine, Bilder oder Videos der fränkischen Weinfeste mehr verpassen? Dann werden Sie Mitglied in unserer Facebook-Gruppe oder folgen Sie uns auf Instagram. Wir freuen uns auf Sie!