WÜRZBURG

Im Untergrund bei der Nacht der offenen Weinkeller in Würzburg

Nacht der offenen Weinkeller 2018
Romantische Atmosphäre zaubert der Kerzenschein im Staatlichen Hofkeller.   Foto: Silvia Gralla

Der Sommer ist vorbei, die lauen Nächte haben sich verabschiedet und mit ihnen auch die zahlreichen Weinfeste im Freien. Aber das ist noch lange nicht das Ende der Weinfeste. Denn auch wenn die Kleidung wieder dicker wird, kann bei der Nacht der offenen Weinkeller im November weitergeschöppelt werden.

Der Besucheransturm auf den Würzburger Untergrund ist an diesem stimmungsvollen Herbstabend enorm. Mehr als 3500 Gäste werden bei der Veranstaltung jährlich gezählt. Eingeladen werden sie von den vier Weingütern Juliusspital, Bürgerspital, Staatlicher Hofkeller und dem Weingut am Stein. Sie alle sind VDP-Weingüter, also Mitglieder im Verband Deutscher Prädikatsweingüter. Davon zählen Juliusspital, Staatlicher Hofkeller und Bürgerspital sogar zu den fünf größten Weingütern Deutschlands.

In heiterem Ambiente in die Welt der Weinmacher abtauchen – das ist bei der Nacht der offenen Weinkeller möglich. Neben einer Top-Weinauswahl und beleuchteten Holzfässern werden die Gäste auf eine Reise durch den Weinbau mitgenommen. Bei diesem Weinfest werden die edlen Tropfen präsentiert und teilweise auch Führungen durch die Kelterhallen und den Weinkeller angeboten. Doch was wäre das einmalige Flair ohne Musik? Dementsprechend sind an den Veranstaltungsorten verschiedene Bands gebucht.

Nacht der offenen Weinkeller
Für Musik ist bei der Nacht der offenen Weinkeller gesorgt wie hier mit dem Auftritt einer Blaskapelle im Hofkeller.   Foto: Daniel Peter

Mit dem Shuttlebus sicher unterwegs

Bei der Nacht der offenen Weinkeller treffen die unterschiedlichsten Facetten aufeinander: ausgefallene Weine, massive Kellergewölbe, Holzfässer und moderne Edelstahltanks. Als Gast muss man sich nicht einmal Gedanken über die Heimfahrt machen. Im Halbstundentakt fahren Shuttlebusse aus der Innenstadt direkt zum Weingut am Stein.

Weitere Haltestationen sind am Barbarossaplatz und an der Residenz. Die anderen drei Weingüter sind jeweils nur einen kurzen Spaziergang voneinander entfernt.

Weingut am Stein

Beim Weingut am Stein erwarten die Besucher unter anderem ein Lagerfeuergrill sowie Führungen durch die Schatzkammer und Brennerei. Außerdem können der Edelstahl-, das Barriquefass- und der Steinkeller besichtigt werden. Die Öko-Winzer vom Würzburger Stein bringen den Besuchern ihr Konzept vom ökologischen Weinbau näher. Auf dem Weingut von Familie Knoll wird ökologisches Verständnis mit hochwertigem Genuss verbunden. Das Ergebnis kosten tausende Besucher bei dem Weinfest im Untergrund aus.

Weingut am Stein Weinkeller
Im Weingut am Stein können die Besucher bei der Kult-Nacht unter anderem einen Blick in den Weinkeller werfen.   Foto: Daniel Peter

Weingut Juliusspital

Das Juliusspital kann eine lange Geschichte vorzeigen und ist nicht nur das größte Weingut in der Domstadt, sondern auch das zweitgrößte in der ganzen Bundesrepublik. Bei der Nacht der offenen Weinkeller gibt das Juliusspital Einblicke in seine mehr als 440 Jahre alte Tradition. In dem 250 Meter langen Keller steht dem Flanieren der Gäste nichts im Weg. Neben 220 Fässern und dem Flaschenlager befindet sich dort auch der modern gestaltete Stahltankkeller, der an diesem Abend an einen hippen Szeneclub erinnert.

Nacht der offenen Weinkeller 2018
250 Meter ist der Keller im Weingut Juliusspital lang   Foto: Silvia Gralla

Weingut Bügerspital zum Heiligen Geist

Einmal dort Wein trinken, wo die markante und wahrscheinlich berühmteste Flaschenform für Frankenwein erfunden wurde: der Bocksbeutel. Gegründet wurde das Bürgerspital 1316. Zwei Jahrhunderte später bekamen die Spitalbewohner täglich eine festgelegte Weinration. Verhielten sich die Männer und Frauen allerdings unrechtmäßig, wurde ihnen Wasser in den Wein gemischt. Gingen die Bewohner zu weit, wurde ihnen der edle Tropfen sogar gestrichen.

Doch das haben die Besucher der Nacht der offenen Weinkeller natürlich nicht zu befürchten. In den Gewölben des Bürgerspitals dürfen sie exzellente Schoppen nach Herzenslust schlürfen. Bei der Kult-Veranstaltung treffen 160 rustikale Eichenholzfässer auf 200 modische Edelstahltanks. Ein Rundgang durch die gegensätzlichen Keller ist zu empfehlen.

Der Edelstahltank-Keller im Weinkeller des Bürgerspitals steht im Kontrast zu den rustikalen Weinfässern.   Foto: Silvia Gralla

Staatlicher Hofkeller

Im Weltkulturerbe, der Würzburger Residenz, schlummern mehr als 890 Jahre Weinkultur. Der Staatliche Hofkeller einen Stock tiefer ist im Vergleich zu den anderen drei Weinkellern kleiner, aber dennoch ein Muss bei der Nacht der offenen Weinkeller. In den historischen Gewölben werden die Besucher bei Kerzenschein vom einmaligen Charme verzaubert. Aus Sicherheitsgründen dürfen nicht mehr als 800 Menschen auf einmal in den Hofkeller. Dementsprechend bilden sich schnell lange Schlangen, doch das Warten lohnt sich!

Weingenuss im Untergrund bei der Nacht der offenen Weinkeller
Romantische Atmosphäre zaubert der Kerzenschein im Staatlichen Hofkeller.   Foto: Silvia Gralla

Lange Wartezeiten einplanen

Bei der Kult-Nacht gehört Anstehen dazu. Der Ansturm ist für gewöhnlich enorm. Ab 17 Uhr haben die einzelnen Weingüter geöffnet. Und bereits wenige Minuten zuvor warten schon zahlreiche Menschen vor dem Eingang. Im Laufe des Abends bilden sich nicht selten 60 bis 70 Meter lange Schlangen vor den Weinkellern. Wenn Sie sich den Eintritt in eines der sehenswerten Gewölbe sichern wollen, sollten Sie sich frühzeitig anstellen und ein paar Minuten mehr einplanen. Und vergessen Sie nicht Ihre warme Jacke, im November kann es bereits relativ kalt werden.

Nacht der offenen Weinkeller 2016
Tausende Menschen kommen zur Nacht der offenen Weinkeller. Einige Besucher warten sogar mehrere Stunden, bis sie in den Untergrund dürfen. Im Bild der Stückfasskeller des Bürgerspitals.   Foto: Daniel Peter

Wenn Sie dennoch mal Schlange stehen müssen: Bleiben Sie entspannt! Die Veranstalter überlegen sich in der Regel auch für die Wartenden schöne Extras, die für Kurzweile sorgen. Letztendlich lohnt es sich, die Wartezeit für ein unvergessliches Weinfest in der Würzburger Unterwelt in Kauf zu nehmen.

Parken bei der Nacht der offenen Weinkeller

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