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Bewerberin Katharina Reinhard vor der Wahl der fränkischen Weinkönigin

Katharina Reinhard im historischen Rathaus von Frickenhausen. Am kommenden Donnerstag entscheidet sich, ob die 20-Jährige ein Jahr lang den Ruf des Frankenweins in die Welt tragen darf.ss
© FOTO Christoph Wei

Im Gespräch erzählt die 20-Jährige von ihren Vorbereitungen auf die Wahl am 19. März und von ihrer Sicht auf die fränkische Weinwelt.

Frage: Wie sehen die nächsten Tage für Sie aus?


Katharina Reinhard: Diese Woche sind noch einige Termine und am Montag fängt mein neues Semester an der FH wieder an.
 
Am nächsten Donnerstag entscheidet es sich ja, ob ich weiterhin in die FH gehen werde, oder für ein Jahr Franken als Weinkönigin vertreten darf.

Der fränkische Weinbau ist in den letzten Jahren ziemlich in Bewegung. Wie steht Franken zurzeit da, was hat sich verändert, und wo geht es hin?

Katharina: Es geht auf jeden Fall nach oben. Man kann wirklich beobachten, was sich hier in Franken tut. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist das Tourismus-Konzept „Wein.Schöner.Land“.

Wir sind Vorreiter mit den Gästeführern und Weindozenten. Das machen uns jetzt sogar andere Weinbauregionen nach.

Wie ist denn so die Stimmung unter den fränkischen Winzern? Ich denke jetzt ein paar Jahre zurück, als fast eine Million Hektoliter in den Kellern lagen und die Stimmung relativ schlecht war. Was hat sich da verändert?

Katharina: In den letzten Jahren hat ein Generationswechsel stattgefunden. Die fränkischen Winzer denken und handeln qualitätsbewusst und sind damit erfolgreich.

Es ist ein Wettbewerb, aber es gibt auch Kooperationen, wie beispielsweise „Frank und Frei“ oder das „Fränkische Gewächs“. Sie haben gemerkt, wenn jeder etwas für Franken tut, gemeinsam, dann geht es nach oben.

Heute gibt es ja fast alle zwei Jahre einen neuen Trend. Franken versucht sich vor allem über seine Weinbautradition zu vermarkten. Ist es dann gut, allen neuen Trends hinterherzulaufen?

Katharina: Es kommt auf den Trend an. Man kann ja auch einem Trend folgen, der Tradition und Moderne gut verbindet, zum Beispiel die traditionelle Rebsorte Silvaner, die jung ausgebaut als frischer Sommerwein ja auch einem neuen Trend entspricht.

Dadurch wird das Angebot auch vielfältiger.

Früher hieß es, der Frankenwein sei zu unübersichtlich. Der unerfahrene Kunde werde abgeschreckt, weil er weiß nicht, worauf genau er sich einlässt, wenn er zu einem Bocksbeutel greift. Führt diese Vielfalt nicht wieder dazu, dass das Angebot undurchschaubar wird?

Katharina: Das denke ich nicht, denn in Franken wurde mit der Qualitätspyramide einiges verständlicher gemacht. Die Basis bilden eben die jungen, unkomplizierten Weine im hellen Bocksbeutel.

Das mittlere Segment bilden die klassischen, traditionellen Lagenweine im grünen Bocksbeutel und an der Spitze, im dunkelgrünen Bocksbeutel, stehen die großen Gewächse.

Die letzten Jahre war der Trend jung, jung, jung. Möglichst junge Weine, möglichst schnell verkauft. Mittlerweile denkt man wieder an Holzfass-Lagerung, an reifere Weine. Ist der Trend zum Jungen schon wieder zu Ende?

Katharina: Nein, das denke ich nicht. Mit diesen jungen Weinen hat Franken viele neue Liebhaber gewonnen. Die reiferen Weine haben trotzdem ihren Platz. Wenn ihnen jetzt wieder mehr Augenmerk gilt, dann ist das nur ausgeglichen.

Der Markt gilt im Moment als einigermaßen bereinigt. Auch mit den Preisen sind die Winzer zufrieden. Wo geht es in Zukunft hin? Ist das ein Plateau, auf dem man sich ausruhen kann?

Katharina: Viel Positives hat sich in den letzten Jahren etabliert, und man wird das sicherlich beibehalten. Innovation ist wichtig, doch nur in Verbindung mit der Tradition. Ich fände es nicht vorteilhaft, wenn ständig etwas Neuem nachgegangen wird.

Stichwort Genossenschaften. Was die Mengen angeht, sind sie das Rückgrat der fränkischen Weinwirtschaft. Aber ihr Verhältnis zu den kleineren Gütern, die sehr individuell wirtschaften, war früher manchmal konfliktreich. Was ist heute anders?

Katharina: Ich meine, dass die Genossenschaften mit ihrem Qualitätsstreben wirklich etwas bewegt haben.

Unsere fränkischen Genossenschaften sind sehr angesehen, räumen einen Preis nach dem anderen ab und natürlich geben sie so ein gutes Bild nach außen.

Wenn ihr Preis- und Qualitätsniveau stimmt, dann profitieren davon alle Winzer. Deshalb finde ich die Genossenschaften sehr wichtig.
 
Ob ich jetzt als Beispiel die Winzergemeinschaft Franken, Divino Nordheim oder das Weinreich Sommerach nenne. Die Genossenschaften haben dem Markt wieder viel Stabilität gegeben.

Es gab Zeiten, da hat man es anders gesehen. Da hat man den Genossenschaften vorgeworfen, die Preise kaputt zu machen.

Katharina: Ja, aber ich denke, die Zeiten sind vorbei. Natürlich können sie günstiger erzeugen als die Selbstvermarkter. Ohne die Genossenschaften gäbe es aber viele Nebenerwerbswinzer nicht.

Und wenn es diese nicht gäbe, wäre unser Landschaftsbild ein anderes. Sie sind auch dafür verantwortlich, dass der Weinbau in unserer Region so fest verankert ist. Man kann das gerade in einem Weinort wie Frickenhausen sehen.

Was braucht man eigentlich, um Weinkönigin zu werden – außer dass man gut aussieht und freundlich lächelt.

Katharina: Da gehört schon eine Menge mehr dazu. Das Bild einer Weinkönigin hat sich sehr verändert. Es genügt nicht mehr, bei einem Weinfest auf dem Podium zu stehen und die Leute zu begrüßen.


Die Weinkönigin ist sehr stark in die Gesellschaft integriert. Dort trifft man nicht nur auf den Winzer von nebenan, sondern auf hochrangige Leute aus Politik oder Gesellschaft. Hier sind Fachwissen, Kompetenz und ein sicheres Auftreten gefragt.

Aber kann eine Weinkönigin denn auch etwas bewegen, oder ist sie am Ende doch nur hübsches Beiwerk?

Katharina: Ja klar! Ich durfte zum Beispiel im Oktober 2007 Weinkönigin Eva Barthelme mit Vertretern des Weinbauverbands nach Brüssel in die bayerische Botschaft begleiten. Es ging um den Schutz des Bocksbeutels. Dort haben wir vor hochrangigen Politikern aus dem europäischen Parlament unseren Standpunkt vertreten. Das hat schon Eindruck gemacht, dass da junge Frauen kommen und sagen: „Franken braucht den Bocksbeutel!“

Es sind nur noch wenige Tage bis zur Wahl. Wie haben Sie sich vorbereitet?

Katharina: Ich habe einige spezielle Themen in der Fachliteratur nachgelesen, war auch nochmal bei vielen Winzern, und ich habe meine Eltern und meine Mentoren, die mir viele wichtige Tipps geben.

Wie viele schlaflose Nächte hat Ihnen die Vorbereitung beschert?

Katharina: Ein paar waren es schon. Man macht sich eben Gedanken, was von der Jury gefragt werden könnte. Es ist alles schwer einzuschätzen. Aber schlafen kann ich dann doch irgendwann.

Und wie wollen Sie sich bei der Wahl präsentieren?


Katharina: So wie ich bin.

Und, aufgeregt?


Katharina: Ein bisschen Nervosität ist natürlich dabei, aber ich bin eher gespannt als aufgeregt. Ich hätte den Termin lieber morgen als erst nächsten Donnerstag.

Übrigens, warum wollen Sie eigentlich fränkische Weinkönigin werden?


Katharina: Ich bin begeistert von unserem Frankenwein und von unseren fränkischen Winzern. Als Frickenhäuser Weinprinzessin habe so viele positive Erfahrungen sammeln können und natürlich habe ich gute Kontakte geknüpft.
 
Das alles möchte ich nutzen, um den Frankenwein und die fränkischen Winzer weiter auf dem Weg nach oben zu begleiten.


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