Am Ende geht alles sehr schnell: Weinbaupräsident Andreas Oestemer kürt im Vogel Convention Center (VCC) in Würzburg Anna Saum zur neuen Fränkischen Weinkönigin. Neben der Schar von Kameramännern, Radio- und Zeitungsleuten, die ekstatisch auf die Bühne stürmen, um die besten Bilder und die ersten flüchtigen Kommentare von der neuen Weinkönigin zu erhaschen, tobt der Großlangheimer Fanclub. Überdimensionale, kronenförmige Pappkonstruktionen mit ihrem Namen, Menschen, die sie lieben und „oh, wie ist das schön“ singen. Das Ende eines langen Weges.
Zuvor die Anspannung, die Fragen der Jury, die kritischen Blicke aus dem Publikum. Prüfungssituation, Nervosität, Ungewissheit. Acht Minuten Zeit, den anderen zu zeigen, dass man die Beste ist. Acht Minuten Zeit, um schlagfertig zu sein. Um BR-Moderator Axel Robert Müller, der zusammen mit der ehemaligen Deutschen Weinkönigin Nicole Then durch die Veranstaltung führt, Paroli zu bieten. Auf seine Frage nach der besten Anlage in Krisenzeiten zu antworten, dass „man mit dem Silvaner keine faulen Papiere im Keller hätte“.
Genug Zeit, um mit selbst gemachten Silvaner-Pralinen das Publikum zu verzücken, ihm ein überraschtes und gleichzeitig gerührtes Raunen durch alle Reihen zu entlocken. Zeit, um mit ihrem sparkassenroten Abendkleid selbst die Volksbank-Angestellten umzustimmen.
Es zeugte von Eleganz, wie die 22-Jährige durch die Publikumsreihen schritt. Im Stile einer, die bei „Germany's Next Topmodel“ schon unter den Top 100 war. Auffällig auch die Spontaneität, die sie selbst gegenüber einem erfahrenen Radio-Moderator bewies. Vielleicht war es die edle Versuchung, die, mit kleinen Silvaner-Spritzern gefüllt, die Entscheidung der Jury zu einer regelrechten Bauchentscheidung machte. Angesichts der starken Konkurrenz bei dieser Wahl war letztlich aber eines entscheidend: ein Quäntchen Glück.
Sie hat gerade erst Marlies Dumbsky beerbt. Sie hat noch gar nicht realisiert, was eigentlich passiert ist. Im kleinen Kreis hat sie mit den Großlangheimern gefeiert. Fest und lange. Es ist alles noch so unwirklich, auch für ihre Mutter Lissy Saum: „Ich hab's noch gar nicht begriffen, das dauert noch ein paar Tage.“
Doch so viel Zeit hat ihre Tochter gar nicht. Zwei Termine hat sie schon, ihr bisheriges Leben mit den alten Gewohnheiten ist vorbei. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau wartet schon. Auch der Bayerische Rundfunk. Die Verpflichtungen haben sie eingeholt. Sie muss sich zeigen, präsent sein, in die Kameras lächeln – das ist das Leben, das sie im kommenden Jahr führen wird.
„Ich habe mitgefiebert und mich doppelt gefreut“
Anna Saums Chef Hermann Hadwiger
Das erfordert Zeit. Zu viel Zeit, als dass sie noch ihrem bisherigen Sparkassen-Job in Kitzingen nachgehen könnte. Doch sie kann sich auf die Unterstützung ihres Arbeitgebers verlassen. „Sie wird für das Jahr freigestellt, wir halten ihr den Arbeitsplatz frei“, versichert ihr Chef Hermann Hadwiger, Vorstandsmitglied der Sparkasse Mainfranken Würzburg. Das ist nicht selbstverständlich, aber bei einem waschechten Großlangheimer durchaus nachvollziehbar. „Ich habe mitgefiebert und mich doppelt gefreut – als ihr Chef und als Großlangheimer“, sagt Hadwiger. Er hofft, dass die 22-Jährige mit neuen Erfahrungen zurückkehrt und diese dann im alten Job einbringt.
Großlangheim steht Kopf wegen Anna Saum. 1700 Einwohner, drei Fränkische Weinköniginnen. Diese Bilanz kann sich sehen lassen. An diesem Samstag werden die Großlangheimer zeigen, dass sie richtig feiern können. Die Feier am Donnerstag war nur ein kleines Intermezzo. Ein spontanes Fest, auf Grund der starken Konkurrenz nicht fest eingeplant. Doch heute wird die Turnhalle in Großlangheim beben. Um 19.30 Uhr wird es einen großen Empfang geben. Familie, Freunde, Arbeitskollegen – alle werden da sein, um ihre neue Fränkische Weinkönigin zu feiern: die edle Süße mit den Silvaner-Pralinen.