Die attraktive Brünette aus Großlangheim (Lkr. Kitzingen) schaut fast ein wenig ungläubig, schlägt die Hände vors Gesicht. Es dauert, bis sie richtig strahlen kann. Die in der Stichwahl unterlegene Katharina Reinhard aus Frickenhausen (Lkr. Würzburg) bewahrt trotz der sichtbaren Enttäuschung Haltung und drückt die Siegerin.
Die volle Freude bricht aus Anna erst heraus, als ihr Marlies Dumbsky, die Vorgängerin im Amte und amtierende Deutsche Weinkönigin, die Krone aufsetzt. „So ein schöner Tag“, sagt die neue Weinhoheit und dass sie sich auf ein spannendes Jahr freue. Am Samstagabend wird sie von Großlangheim gefeiert werden. Bürgermeister Karl Höchner, der sich über die dritte Fränkische Weinkönigin in 20 Jahren freut, hat alle zum Fest in die Turnhalle eingeladen.
Die Wahl der Weinkönigin ist zu einer großen Show geworden. 700 Gäste drängen sich im ausverkauften Vogel Convention Center. Doppelt so viele hätten gerne die 35 Euro Eintritt gezahlt, um dabei zu sein. Unter den vielen prominenten Gästen auch Landtagspräsidentin Barbara Stamm, die Europaabgeordnete Anja Weisgerber, Landräte und Bürgermeister.
Weinbaupräsident Andreas Oestemer verabschiedet in seinem letzten Amtsjahr unter herzlichem Beifall des Publikums die Fränkischen Weinprinzessinnen Andrea Gebhard aus Ipsheim und Susanne Gehrig aus Retzbach. Sie hatten Marlies Dumbsky nach deren Wahl zur Deutschen Weinkönigin im Oktober 2008 vertreten. Mit einem Rückblick auf ihr halbes Regierungsjahr gab Marlies Dumbsky einen Vorgeschmack auf das, was Anna Saum erwartet: Weit über 200 Termine hat sie als Botschafterin des Frankenweins absolviert, fast 20 000 Kilometer in Sachen Frankenwein zurückgelegt. Ihre Weinreisen haben sie durch ganz Deutschland und bis nach New York, China und Japan geführt sowie mit vielen Prominenten zusammengebracht. Mit stehendem Applaus wurde sie vom Publikum verabschiedet.
Wer Weinkönigin werden will, muss nicht nur attraktiv sein und ein sicheres Auftreten haben. Gefordert ist überdies ein profundes Weinwissen. „Modern und doch den Traditionen verhaftet“ solle die Repräsentantin der fränkischen Winzer sein, sagt Präsident Oestemer. Mit Besichtigungen, Seminaren und Schulungen haben sich die fünf Kandidatinnen intensiv auf die Befragung durch die 100-köpfige Jury aus Vertretern der Weinwirtschaft, Politik, Behörden und Medien vorbereitet.
Der Befragung durch BR-Moderator Axel Robert Müller und die frühere Deutsche Weinkönigin Nicole Then stellte sich als erste Miriam Fritsch aus Ipsheim. Die 23-jährige Diplom-Betriebswirtin und Wirtschaftsmediatorin, die in der Franken-Therme in Bad Windsheim als Assistentin der Geschäftsleitung, arbeitet, war als Favoritin gehandelt worden. Schlagfertig, selbstsicher und locker setzte sich die hübsche Blonde in Szene. Vielleicht war ihr Auftritt ein wenig zu professionell.
Ilonka Scheuring aus Margetshöchheim kam im stahlblauen Abendkleid mit Schornsteinfeger Willi auf die Bühne. Charmant und redegewandt stellte sie ihren Wein aus dem elterlichen Weingut vor, den sie selbst begleitet hat, einen 2008 Erlabrunner Weinsteig Scheurebe Kabinett. Als Technikerin für Weinbau und Oenologie hatte sie mit den Fachfragen natürlich keine Schwierigkeiten.
Heike Emmerich aus Iphofen zeigte im brombeerfarbenen Glitzerkleid ihren ganzen Charme. Die 22-jährige Bankkauffrau hat als Iphöfer Weinprinzessin viel Erfahrung im Umgang mit Weinfreunden und Gästen gesammelt, was sie auch vor großem Publikum demonstrieren konnte.
Der Auftritt der 22-jährigen Winzertochter und Bankkauffrau Anna Saum, im vergangenen Jahr unter den Top 100 bei „Germany's next Topmodel“, war von souveräner Eleganz – so wie der Wein, den sie mitgebracht hatte: eine 2007 Großlangheimer Kiliansberg Weißer Burgunder Spätlese von der GWF. Dazu gab es von ihr noch eine andere süße Verführung: eine Silvaner-Praline „Anno 1659“, dem Jahr der ersten Silvaner-Pflanzung in Franken, die sie mit ihrem Freund zusammen selbst gemacht hat. Das kam ebenso gut an wie ihre ruhige und elegante Art.
Viele Sympathien hat sich Katharina Reinhard durch ihre lebenslustige und natürliche Art erworben. Auch bei den Fachfragen zeigte die 20-jährige Weinprinzessin aus Frickenhausen profundes Wissen. So pfiffig wie ihr Auftritt war auch ihr Wein: eine Cuvée aus fünf Frickenhäuser Weingütern. Das Silvaner-Quintett sollte nach ihrem Wunsch zum „Queen-tett“ werden. Doch es kann halt nur eine Königin geben.