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Weinlese 2011: Bis zu 80 Prozent Ernteausfälle

Traubenernte: Sommerhäuser Winzer rechnen durch die Frostnacht im Mai mit Ernteausfällen von bis zu 80 Prozent. Die jungen Reben hat es bös erwischt - Banges Hoffen auf zweite Traubengeneration.
© David Schmidt

Traubenernte: Sommerhäuser Winzer rechnen durch die Frostnacht im Mai mit Ernteausfällen von bis zu 80 Prozent. Die jungen Reben hat es bös erwischt - Banges Hoffen auf zweite Traubengeneration.
Bild/Autor: David Schmidt
Milde Temperaturen, viel Sonnenschein, wenig Frost. Schöner hätte das Frühjahr für die fränkischen Winzer nicht aus den Startlöchern kommen können. „Die Triebe waren gestanden wie eine Eins. Die Aussichten waren Anfang Mai extrem gut“, blickt Friedrich Wagner vom Weingut Wagner Sonnenhof in Sommerhausen etwas wehmütig an die Zeit im März und April zurück. Denn eine Nacht hat alles verändert. Vom 3. auf den 4. Mai schlich sich kalte Luft aus dem Osten in die Region ein, gebietsweise sanken die Temperaturen auf minus fünf Grad.

Und mit einem Mal war was vorher prächtig spross und grünte, nur noch schwarz-braun und abgestorben. Triebe mit Blüten- und Fruchtansätzen waren zerstört, die Weinberge kahl wie im tiefsten Winter. Die Winzer prognostizierten Ernteausfälle zwischen 20 und 100 Prozent. Doch wie hoch sind die Schäden wirklich? Waren die dramatischen Vorhersagen berechtigt oder nur das Ergebnis übertriebener Schwarzmalerei? „Bei mir liegen die Verluste bei 80 Prozent“, sagt der 55-jährige Winzer Friedrich Wagner.

Die Überlebensquote der Reben an den Steilhängen war höher. Dort hielt sich die Kaltluft in der Frostnacht nicht lange, sondern waberte in die Flachlagen, wo sie sich sammelte. „An den flachen Stellen in Richtung Kleinochsenfurt war alles hinüber. Die Steilhänge am Steinbach dagegen sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, fasst Wagner zusammen. Auch bei den Sorten gibt es Unterschiede: Rotweine wie Dornfelder, Schwarzriesling oder Spätburgunder sind besonders schwer betroffen, Weißweine wie Silvaner, Riesling oder Scheurebe haben der Eiseskälte besser widerstanden.

Pauschaldiagnosen sind trotzdem nicht möglich, denn: In der Hanglage am Ölspiel hat es Wagners Silvaner böse erwischt. „Das war eine junge Rebe, etwa sechs Jahre alt. Solche haben mehr Wuchskraft und treiben schneller aus als die alten. So war sie dem Frost natürlich noch mehr ausgeliefert“, erklärt der Winzer. Auch alle anderen Sorten sind – bedingt durch die schöne Witterung im März und April – zwei bis drei Wochen früher dran als in einem Durchschnitts-Jahr. „Der Frühaustrieb war einerseits Segen, andererseits Fluch“, so Wagner. „Die Triebe waren schon voll im Saft, der Feuchtigkeitsgehalt in den Pflanzen war hoch. Dann hat der Frost sie völlig ungeschützt erwischt.“

Vorteil der frühen Triebe: Teilweise haben die Reben eine zweite Traubengeneration ausgebildet, die der ersten natürlich zeitlich hinterherhinkt. Durch den Vegetationsvorsprung in diesem Jahr haben diese länger Zeit und damit größere Chancen, reif zu werden. „Wenn es bis Mitte Oktober frostfrei bleibt, könnten wir die zweite Generation noch lesen“, hofft er, „auch wenn das bei weitem kein Ersatz für die malträtierte erste Generation ist“. Verständlich, wirken doch die zweiten Früchte eher klein und kümmerlich im Vergleich zu den überlebenden Trauben der Erstgeneration.

Vergleichsweise glimpflich ist Reinhold Schwarz vom Weingut am Ölspiel weggekommen: „Ich rechne mit Verlusten von 40 Prozent“. Sein Glück: Der 46-Jährige baut zu einem Drittel Silvaner an. Der hat den Frost am besten verkraftet. Frühsorten wie Bacchus und Müller-Thurgau dagegen haben größere Schäden davongetragen, die Rotweine auch. Außerdem hat Schwarz die Lage seiner Weinberge in die Karten gespielt: „Die Hänge am Ölspiel waren von der Kaltluft am wenigsten betroffen.“

Wegen der Frostschäden muss Frank Meyer vom Weingut Meyer mit mehr Arbeitsaufwand rechnen. Durch den frostbedingten zweiten Austrieb sind die Trauben in einem unterschiedlichen Reifezustand, lassen sich also nicht mit der Maschine lesen. Dann ist Handarbeit gefragt: „Wir ernten derzeit nur die reifen Früchte, die jüngeren lassen wir noch hängen. In zwei bis drei Wochen werden wir dann sehen, ob es sich noch lohnt, die übrigen zu ernten.“

Aber wie bei Friedrich Wagner kann die zweite Generation nicht die Wogen glätten. Der 42-Jährige kalkuliert nach der Frostnacht Anfang Mai nur noch mit 30 bis 35 Prozent seines normalen Ertrages. Meyer besitzt Weinberge in Winter- und Sommerhausen, die Ausbeute war von Berg zu Berg verschieden: „Am meisten war in den Senken kaputt, dort war zum Teil gar nichts mehr dran.“ Weinbautechniker Daniel May vom Weinbauservice Florian Hofmann hat da andere Erfahrungen gemacht: „Für mich gibt es keine Tendenzen, wo die Schäden am größten waren.“ Auch die Verluste sind seiner Ansicht nach „noch im Rahmen“. Seine Kollegin Bianka Schmitt rechnet dennoch mit großen Verlusten. „Wir haben durch den Frühjahrsfrost etwa 50 Prozent der Ernte verloren“, fürchtet die Winzerin.

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